10 Tipps, wie englische Texte weniger deutsch wirken

Dank Harry Potter, YouTube und Netflix beherrschen viele Leute heute Englisch auf einem Niveau, wie das früher ohne Auslandsaufenthalt nicht denkbar gewesen wäre. Sie kennen Idiome und Sprichworte, verstehen Witze und binden englische Worte in ihren Sprachfluss ein, weil sie in ihren Köpfen präsenter sind als die deutschen Äquivalente (grummel).

Englische Texte zu schreiben hingegen, fällt vielen schwer. Dieser Muskel wird durch lesen oder Serien schauen nicht trainiert.

Nun will man in geschäftlichen E-Mails, auf Instagram oder als Twitter-Bot, der versucht, die amerikanische Demokratie zu untergraben, nicht unbedingt preisgeben, dass man doch keine Muttersprachlerin ist, sondern eigentlich aus Reinhardshausen kommt.

Damit eure englischen Texte weniger deutsch wirken, solltet ihr beim Verfassen auf diese zehn Details achten:

1. Substantive klein schreiben

Lasst euch nicht von den Tweets des derzeitigen US-Präsidenten irritieren: Substantive mit großem Anfangsbuchstaben sind im Englischen rar.

Vollkommener Blödsinn. Und die Großschreibung ist auch falsch.

Großgeschrieben werden muss aber (selbstredend) am Anfang eines Satzes, zu Beginn eines Briefs oder einer E-Mail (Dear Sir or Madam, In response to your letter from… ) und wenn es sich um Eigennamen handelt (etwa Trump Tower).

2. Bei einfacher Satzstellung bleiben

Versucht nicht, die komplizierte deutsche Grammatik auf das Englische zu übertragen. Das führt oft zu verheerenden Fehlern, die eure Sätze schwer verständlich machen. Bleibt stattdessen bei der einfachen Struktur Subjekt – Prädikat – Objekt. Ja, auch im Englischen kann die Stellung verschiedener Satzteile variiert werden, aber S-P-O ist weder verpönt, noch wirkt es zu simpel.

3. Die korrekte Zeitform verwenden

Auf die Gefahr hin, dass ich wie eure Englischlehrerin aus der sechsten Klassen klinge, die das th auch nie so richtig gemeistert hat: Lasst uns nochmal die Zeiten wiederholen.

  • Simple Present: Das war das mit „he, she, it, das s muss mit“. Hier braucht ihr die Grundform des Verbs ohne jeglichen Schnickschnack wie to be oder -ing. Verwendet das Simple Present, wenn ihr über Tatsachen sprecht: „He tweets about Russia a lot.“
  • Present Progressive: Falls ihr die Verlaufsform im Schriftlichen verwendet, sollten gleich die Alarmglocken läuten. Außer ihr erzählt, was ihr gerade tut („I am writing this e-mail in a café“), ist sie vermutlich fehl am Platz. Denn sie bezieht sich nur auf das, was wirklich just in diesem Moment geschieht.
  • Simple Past: Euer Urlaub ist vorbei, das Projekt ist abgeschlossen, die Beziehung ist beendet, euer Hund ist tot (RIP): Klarer Fall für die einfache Vergangenheit. Wenn ihr davon berichtet, hängt ein ed ans Verb oder schlagt noch mal nach, wie die irreguläre Form lautet (bought, taught, found).

4. Zahlen richtig schreiben

Trick Nummer eins, um Nicht-Muttersprachlerinnen zu identifizieren, ist auf Zahlen zu achten.

Sind Zahlen nicht universell? Eigentlich schon. Aber der Teufel steckt im Detail. Bei Preisen steht im Englischen das Währungszeichen ohne Leerzeichen direkt vor der Zahl. Kostet ein Kaffee bei Starbucks in Hamburg 3 €, muss man in Newark $2 zahlen.

Und dann ist da noch die Sache mit Komma und Punkt. Merke: Es verhält sich genau umgekehrt. Kauft ihr zu eurem Getränk noch ein Stück Kuchen, dann verlangt man dafür in der Hansestadt 3,75 €, in New Jersey müsst ihr euch von $2.95 trennen.

Gönnt ihr euch eine solche Kaffeepause jeden Tag, seid ihr an der Alster am Ende des Jahres 2.463,75 Euro ärmer, an der Ostküste Amerikas hingegen 1,806.75‬ Dollar.

5. Gender-neutral bleiben

Man beneidet die englischsprachige Welt, die sich nicht mit der schwierigen Gender-Debatte und schon gar nicht mit Gender-Sternchen rumschlagen muss. Ein Arzt ist a doctor und eine Ärztin ist auch a doctor. Herrlich einfach!

Aber auch Potenzial für fetttriefende Schühchen. Deshalb solltet ihr, wenn ihr euch nicht sicher seit, ob eine dritte Person männlich oder weiblich ist oder wenn sowohl Männer als auch Frauen gemeint sind, beide Möglichkeiten berücksichtigen. Das geht mit he/she bzw. him/her. Die elegantere Lösung, die euch noch dazu muttersprachlicher wirken lässt, ist in der Mehrzahl zu sprechen – von they und them. Dabei kann durchaus weiterhin von nur einer Person die Rede sein.

Ein Beispiel: „Maybe you could ask a friend to come along. They could help carry the equipment“

6. Die richtige Präposition wählen

Präpositionen folgen keiner Logik. Weder im Deutschen, noch im Englischen. Man muss sie sich wohl oder übel einprägen.

Das sind die wichtigsten Kombinationen:

  • to be at an event
  • read something on a website
  • a link to a website
  • information about something
  • a report on a topic
  • watch something on TV

7. Kommas lieber weglassen

Im Deutschen verwenden ja die meisten grundsätzlich zu wenig Kommata (Vor nem Relativsatz? Überbewertet!). Aber in englischen Texten deutscher Muttersprachler jagt ein Trennzeichen das nächste. Es ist paradox.

Kommata als Abgrenzung zwischen Satzteilen sind im Englischen rar und noch seltener sind die Leute, die die Regeln dazu verstehen. Deshalb einfach lautet meine Empfehlung: weglassen. (Das gilt selbstverständlich nicht für Aufzählungen!).

Keinesfalls solltet ihr Kommas vor that, which, before, whether und so setzen.

8. Hilfsverben bei Fragen nicht vergessen

Foto von Jon Tyson

Obwohl die Formulierung von Fragen eines der ersten substantiellen Sachen ist, die man im Englischunterricht lernt, bereitet es vielen Leuten Schwierigkeiten, korrekte Fragesätze zu formulieren.

Die meisten Fragesätze folgen gleichen Muster: Fragewort – Hilfsverb – Subjekt – Grundform des Verbs (bei geschlossenen Fragen fällt das Fragewort weg).

Im Simple Present sieht das dann wie folgt aus:

  • do/don’t: Do you enjoy overpriced coffee? Don’t you want to pay $3 for a cappuchino? Why do you drink so much coffee?
  • can/can’t: Can you lend me some money for coffee? Can’t you understand that I need my coffeee? What can I get for $3.50?

9. Auf abweichende Schreibweisen achten

Bevor ihr einen Städtenamen in euren Text einbaut, prüft, ob die englische Schreibweise der deutschen entspricht. Manche Städte haben vollkommen andere Namen (Wien – Vienna, München – Munich, Peking – Beijing), manchmal sind nur ein oder zwei Buchstabe anders (Tokio – Tokyo, Singapur – Singapore, Rom – Rome).

10. Nicht vor dem Ziel schlapp machen

Aus irgendeinem Grund scheint „looking forward to“ eine Formulierung zu sein, die jede deutsche Englisch-Lernerin kennt. Super! Nur scheitert es häufig an dem, was nach dem to kommt: Das darauf folgende Verb muss nämlich in der –ing-Form stehen.


Ich hoffe, diese Tipps helfen euch, eure englischen Texte zu verbessern. I am looking forward to reading them!


Beitragsbild von VanveenJF auf Unsplash

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