Meine Lieblingsworte aus „Versunkene Wortschätze – Wörter, die uns fehlen werden“

Versunkene Wortschätze - Wörter, die uns fehlen werden

Ich bin ja sprachlich grundsätzlich eher konservativ gewickelt. Ich stehe neuen Ausdrücken überwiegend skeptisch gegenüber (vor allem, wenn es sich um stupide übernommene Anglizismen handelt) und hege und pflege die altmodischen Ausdrücke in meinem Wortschatz – auch, wenn das bedeutet, dass man sich über mich lustig macht, wenn ich berichte, dass der Franz jetzt mit der Susi „geht“ (= in einer Beziehung ist).

Deshalb ist das Büchlein „Versunkene Wortschätze – Wörter, die uns fehlen werden“ aus dem Duden-Verlag wie für mich gemacht. Darin setzt die Dudenredaktion angestaubten bis antiquierten Worten ein Denkmal und erklärt deren Herkunft. So lernt man dort, dass ein „brauseköpfiger“ Mann leicht aufbrausend ist, eine „Villegiatur“ einen Aufenthalt oder Urlaub auf dem Land bedeutet und „englisch“ nicht nur das Land und die Sprache, sondern auch Engel beschreibt.

Ihr könnt ein Exemplar von „Versunkene Wortschätze“ gewinnen. Was ihr dafür tun müsst, erfahrt ihr am Ende des Artikels.

Ich habe einige meiner Entdeckungen aus dem Buch herausgesucht und in Kategorien eingeteilt.

Wörter, die ich im Buch entdeckt habe und ab jetzt nutzen werde

Im Büchlein habe ich ganz viele Worte gefunden, die extrem cool sind und die ich von nun ab bei jeder Gelegenheit verwenden werden, darunter:

  • Kamelopard: Mein absolutes Lieblingswort aus „Versunkene Wortschätze“! Kamelopard kommt vom griechischen kámelos für Kamel und párdos für Panther und bedeutet Giraffe.
  • Partikulier: Französisch klingt einfach immer besser. Und Partikulier ist ja wohl tausendmal schöner als „Rentner“.
  • Pomadenhengst: Donald Trump Jr. Muss ich mehr sagen?
  • zersorgen: Um die Vorsilbe „zer-“ ergänzt, wird viel ansehnlicher, was Sorgen so mit einem Menschen anrichten können.
  • Philomathie: Alles mit „Philo-“ schindet Eindruck. Deshalb wurde in meinem Sprachgebrauch „Wissensdrang“ gerade von seiner französischen Kollegin abgelöst. Pardon!

Wörter, die ich gerne verwenden würde, für die ich aber keine Verwendung habe

Auch diese Worte gefallen mir sehr gut. Nur befürchte ich, dass ich in fragende Gesichter blicken würde, wenn ich sie in Sätze einstreute. Und man will ja auch irgendwie verstanden werden. Deshalb werden diese schönen Worte – so leid es mir tut – bis auf weiteres nicht aus meinem Mund kommen:

  • Hasenbrot: Als ich in der dritten Klasse zum ersten Mal ins Schullandheim gefahren bin, hat mir meine Mutter sage und schreibe fünf Semmeln für die Busfahrt geschmiert. Die konnte ich gar nicht alle essen. Damals nannte ich das „maßlose Übertreibung“, jetzt würde ich Hasenbrot sagen: „für die Reise oder die Arbeit als Proviant mitgenommenes, aber nicht verzehrtes und trocken gewordenes Brot“.
  • Wall: Nein, nicht etwa das Gegenstück zum Graben. „Wall“ bedeutet 80 Stück.
  • Großhundert: 120 Stück.
  • Feuerlärm: Bisher war mir nie aufgefallen, wie unglücklich das a in „Feueralarm“ ist. Ein richtiger Stopper mitten im Wort. „Feuerlärm“ hingegen fließt nur so wie das Wasser, das den Brand löschen wird.
  • Vegetabilien: Ich komme mir schon albern vor, im Restaurant nach „was veganem“ zu fragen. Wenn ich mich jetzt nach „Vegetabilien“, pflanzlichen Nahrungsmitteln, erkundige, würde die Reaktion wohl nicht gerade positiver ausfallen.

Wörter, die ich kenne und nutze

Wie gesagt, ich bin altmodisch. Es sind sogar ziemlich viele Begriffe, die der Duden als „versunken“ deklariert, die sich in meinem aktiven Wortschatz befinden. Zum Beispiel:

  • Eisenbahnschaffner: Gut, dass „Eisenbahn“ spare ich mir, aber was inzwischen „Zugbegleiter“ heißt, ist bei mir immer noch der Schaffner. Leider tragen die ja heutzutage keine Schaffnermütze mehr …
  • Nichtsnutz: Gerade bei Beleidigungen kann ich mich für alte Ausdrücke begeistern. Muss man jeden, der einen ärgert, einen „Hurensohn“ nennen? „Nichtsnutz“ trifft’s doch auch.
  • Sapperlot: Ich war überzeugt, dass dieser „Ausruf der Verwunderung, des Unwillens, des Zorns“ fränkisch sei, oder zumindest bayerisch. Die Dudenredaktion hat mich nun eines besseren gelehrt: Es handelt sich um einen „landschaftlich[en]“ Ausdruck. Sapperlot!
  • sputen: Ich bin mir sicher, dass ich das Wort als Kind bei Bibi Blocksberg gelernt habe. Wenn Bibi „sich beeilen im Hinblick auf etwas, was schnell, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt getan, erreicht werden sollte“ musste. Also zum Beispiel den in ein Kaninchen verhexten Bürgermeister zügig wieder zurück verwandeln muss.

Wörter, über deren Verschwinden ich froh bin

Manchmal ist es auch nicht so schlecht, dass die Verwendung bestimmter Begriffe eingestellt wurde. So bei diesen:

  • Fräulein, Jungfer und Weibstück: Ich glaube, das muss ich nicht weiter erklären.
  • Tochtermann: Logisch ist dieses Synonym von „Schwiegersohn“ ja, aber schön eher weniger.
  • Tüttel: „Auf dem i fehlt noch der Tüttel“. Vielleicht ist das rassistisch gegenüber anderen Bundesländern, aber keine bayerische Person, die etwas auf sich hält, würde je zu Pünktchen „Tüttel“ sagen. Abgelehnt!
  • Velozipedist: Radfahrer spricht sich dann doch etwas leichter aus.
  • verwesen: Man denkt bei „verwesen“ nun doch eher an Verrottendes als an „verwalten“, nicht?

Gewinnt ein Exemplar!

Ich verlose ein Exemplar von „Versunkene Wortschätze – Wörter, die uns fehlen werden“. Falls ihr das Buch gewinnen wollt, schreibt einfach euer Lieblingswort in die Kommentare unten. Am Sonntag, den 25. August, lose ich dann den/die Gewinner/in aus. Viel Glück!
UPDATE: Das Gewinnspiel ist jetzt geschlossen. Gewonnen hat „Der Rudi“ mit seinem Lieblingswort „schnabulieren“.

42 Kommentare zu „Meine Lieblingsworte aus „Versunkene Wortschätze – Wörter, die uns fehlen werden“

  1. Also ich werde weiterhin das Wort Tüttelchen benutzen 😀 Schaffner und sputen sind für mich auch noch nicht gestorben und ab jetzt werde ich auf jeden Fall Kamelopard und Pomadenhengst in meinen Alltag integrieren! 😛

    1. Ich liebe SCHMACKES! Das steht fest. Es hat Power und was geräusch Ollie’s dieses Wort. „Fisematenten“ ist auch nicht schlecht denn es beschreibt einen historischen Vorgang der dann auf eine heutige Handlung übertragen wird. *kicher*… Jetzt mach mal keine Fisematenten!!! LG und Aloha von Sirit /Textwelle

    1. Mumpitz ist mein absolutes Lieblingswort.
      Wie oft ich schon komisch angeguckt wurde, weil ich, wenn ich mich geärgert habe, geschrien hab, dass es totaler Mumpitz sei.😅

      1. „Mumpitz“ ist klasse, das hört sich irgendwie ulkig an. 🙂 Leider hast du dieses Mal nicht gewonnen, Vincent. Ich danke dir trotzdem, dass du teilgenommen hast und mich an „Mumpitz“ erinnert hast. 🙂

  2. Muss es eins von den vorgestellten sein? Dann gern „zersorgen“ – das ist so plastisch. Ansonsten verwende ich tatsächlich ab und an noch „frug“ … Ich mag es nicht, wenn jemand jemandem einen Tort antut. Ach ja,mein Wortschatz ist in vielem recht altmodisch.

    1. Ich liebe Wörter, die „selbstreimend“ sind. Heckmeck ist auch so eins. Ich plane da einen Post dazu und dank dir habe ich jetzt ein Wort mehr! Danke, Andrea! Jetzt tut es mir um so mehr Leid, dass du nicht gewonnen hast. 🙁

  3. Ich mag ja Partikulier sehr gerne. Viele Wörter verwende ich tatsächlich alltäglich, wenn mein Papa spricht hört es sich an als ob man aus den Geschichten der Brüder Grimm vorliest. 😍

    1. Das würde ich gerne mal hören! Mein Papa verwendet nicht so viele altmodische Worte, aber dafür hat er ganz komische Sprüche von früher drauf. 😀
      Danke, dass du mitgemacht hast, Juli. Leider hast du dieses Mal nicht gewonnen.

  4. Schnabulieren. Wenn Opa am Sonntag seinen feinen Kittel zum Mittagessen angezogen hat, dann wurde nicht einfach gegessen; dann wurde schnabuliert.

  5. Meine Tochter, damals noch Krippenkind, also keine drei Jahre alt, sagte eines schönen Morgens : „Ja Mama, ich spute mich ja schon!“ Ich seufzte und dachte bei mir, dass es für sie nicht immer einfach sein wird, Kind einer Literaturwissenschaftlerin mit Sprachfimmel zu sein. Aber gefreut habe ich mich trotzdem!

  6. Zu „Sapperlot!“ geselle ich mit Freuden „Teufel auch!“, „Potz tausend!“ und „Pardauz!“. Und übrigens: „sputen“ benutze ich selbst, als das Wort noch aktuell. Hierzu passend: hurtig, flugs, in Windeseile, mit wehenden Fahnen, preschen, sausen oder flitzen. Ansonsten liebe ich: Wonne, jauchzen, fürderhin, sintemal, indes, Tand, darein, daselbst, derhalben, Fidibus, item und wiewohl. Auch erquicken mich: erquicken, fernmündlich, hierorts und dortseits. Sowie desgleichen: desgleichen, Hain, Entrée, Tagewerk, Tunichtgut, Tollpatsch und vorzeiten,

  7. Der schönen Wörter sind gar viele, doch stimmungsmäßig sticht für mich gerade eins heraus: eiderdaus 🙃 das gibt noch doppelten Wortwitz wegen der ungewollten Reimerei.

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