Jeg snakker norsk: Ins Norwegische reingeschnuppert

Mein Schnupperkurs in Norwegisch

Bis letzte Woche wusste ich drei Sachen über Norwegisch:

  • Es gibt dieses o mit dem Strich durch und das a mit dem Kringel drüber.
  • Nein heißt Nei, Ja heißt Ja.
  • Es klingt ein bisschen ulkig.

Ich habe in den letzten 17 Jahren erheblich mehr Norwegisch gehört, als das für eine Deutsche normal ist. Denn drei meiner Lieblingsbands kommen aus Norwegen. Sie singen zwar alle auf Englisch, aber man will ja als Fan auch die Leute hinter den Liedern kennenlernen (vorallem, wenn sie derart attraktiv sind). Und so schaut man sich natürlich zig Interviews mit den Herrschaften in ihrer Muttersprache an – ohne auch nur das Geringste zu verstehen.

Es wäre natürlich toll gewesen, zu wissen, was sie sagen. Trotzdem hatte ich nie vor, die Sprache zu lernen.

Aber als ich vor kurzem einen Norwegisch-Schnupperkurs in meiner Nähe entdeckte, konnte ich es doch nicht lassen. Auch, weil ich mich fragte, wie viel man von einer Sprache in nur sechs Stunden lernen kann.

Han smiler heißt nicht Hans Miller

Letzte Woche wurde ich dann mit sechs anderen TeilnehmerInnen ins kalte Wasser geworfen. Denn die erste Übung im Lehrbuch hatte nichts mit dem Standardprogramm à la „Hallo, mein Name ist Julia. Wie heißt du?“ zu tun.

Stattdessen begann es mit einer kleinen Geschichte: Ernas drøm. Wir sollten zuhören, ohne den Text mitzulesen, und anschließend berichten, was wir verstanden hatten.

Ich erkannte die Worte turist und adresse und war mir sicher, dass Erna mit Nachnamen Wagner und der mannen, von dem sie träumte, Hans Miller hieß.

Jeg med en litte venn i Oslo.

Nei, nei stellte sich raus, als wir den Text dann lesen durften. Wo ich einen Hans Miller vermutete, hieß es in Wirklichkeit han smiler. Sie lacht also, die Erna. Und Wagner heißt sie auch nicht mit Nachnamen. Stattdessen war sie nur aufgewacht (våkner).

En til ti – sogar rückwärts!

Nun gut, aller Anfang ist schwer. Aber am Ende des Kurses war ich doch erstaunt, wie viel ich in der kurzen Zeit gelernt hatte. Nicht nur „kann“ ich schon über 100 sehr unterschiedliche Wörter. Ich kenne auch alle Personalpronomen, die Modelverben, unbestimmte und bestimmte Artikel. Ich kann Fragen bilden und bis zehn zählen (vorwärts und rückwärts!).

Am Schluss habe ich das Gefühl, verstanden zu haben, wie Norwegisch in den Grundzügen funktoniert. Der große Vorteil ist natürlich, dass es eine germanische Sprache ist. Sie ähnelt dem Deutschen in vielerlei Hinsicht und man kann sich daher eine ganze Reihe Sachen erschließen und versteht bestimmte Dinge auf Anhieb.

Schwierigkeit bereiten am Anfang hingegen die unregelmäßige Aussprache und die kleinen Fallen, in die man allzu gerne tappt.

Denn manchmal ist es halt doch nicht so wie im Deutschen.

Was ich über die norwegische Sprache gelernt habe:

– Norwegisch hat drei einzgartige Buchstaben: å, ø und æ.

– Das norwegische y wird ausgesprochen wie eine Kreuzung aus i und ü. Oder anders ausgedrückt: wie ein ü mit Kussmund.

– Es gibt in Norwegen eine künstliche Schriftsprache: Nynorsk. Sie wurde aus mündlichen Dialekten entwickelt und sollte nach der 400 Jahre langen Besatzung des Landes durch Dänemark zur Entstehung einer nationalen Identität beitragen.

– Der weibliche Artikel verschwindet aus der Sprache. Obwohl es eigentlich ei brødskive (eine Brotscheibe) heißt, ist es vollkommen akzeptiert, en brødskive also: ein Brotscheibe) zu sagen.

– Kurioserweise spricht man die Sprache zunächst sicherer als man sie versteht.


Foto von Darya Tryfanava auf Unsplash

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