5 Impulse für originellere Texte

schreibtipps für originellere texte

Das Leben ist zu kurz für langweilige Texte. Und damit meine ich sämtliche Texte – vom Zeitungsartikel über E-Mails bis zum Produktetikett.

Die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt bis zum Schluss gelesen wird, erhöht sich um bis zu 100 Prozent, wenn die Leserschaft nicht einschläft. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

Aber wie schreibt man originellere Texte? Hier ein paar Ideen.

1. Die Länge der Sätze variieren

Es ist der Klassiker unter den Schreibtipps. Vollkommen zu Recht. Denn nichts bringt mehr Schwung, mehr Bewegungen in einen Text als unterschiedlich lange Sätze. Wirklich. Ich sage das nicht nur so. Man kann das schon beim Lesen eines kurzen Textes merken. Stimmt’s?

2. Originelle Vergleiche und Bilder wählen

„So sicher wie …“ ¹ , „das ist keine …“², „schneller als die …“³ – den Rest muss man gar nicht schreiben. Diese Bilder sind allseits bekannt. So bekannt, dass sie nicht mehr auffallen, quasi überlesen werden.

Aber originelle Vergleiche und Bilder sind gar nicht so schwer. Man muss nur einen Augenblick nachdenken und sie fallen einem ein:

  • „so sicher wie eine Wahlniederlage der SPD“
  • „das ist keine dʼHondtsche Sitzverteilung“
  • „schneller als Jennifer Aniston eine Million Follower auf Instagram erreicht hat“

Aber Vorsicht: Die Leserschaft muss die Bilder auch wirklich kennen. Und sie sollten prägnant sein, das heißt sich ungefähr an der Länge der ursprünglichen Floskel orientieren.

Für die, die doch nicht von selbst draufkommen:
¹ das Amen in der Kirche
² Raketenforschung
³ Polizei erlaubt

3. Textarten mischen

Wer sagt eigentlich, dass in einer E-Mail keine Dialoge vorkommen können? Wer bestimmt, dass ein sachlicher Blogpost nicht mit einer fiktiven Kurzgeschichte beginnen darf? Und wieso sollte sich ein Social-Media-Posten nicht reimen dürfen?

Wer viele zeitgenössische Romane liest, weiß, dass dort zunehmend Kommunikation zwischen den Figuren als SMS oder E-Mail dargestellt wird. Nicht im Fließtext, sondern tatsächlich im ursprünglichen Format – also als Textblasen oder mit den „An:“-, „Von:“- und „Betreff“-Zeilen.

Warum sollte man umgekehrt nicht auch fiktive Elemente in sachliche Texte aufnehmen? Ich sehe keinen Grund. Aufmerksamkeit ist garantiert.

4. Fremdsprachige Wörter einwerfen

Well, wie kann man sonst noch Texte kreativer gestalten? Vielleicht einfach mal den Blick etwas weiter schweifen lassen. Denn andere Sprachen haben auch schöne Wörter. An ihnen kann man buchstäblich hängenbleiben und so die LeserInnen aufmerken lassen, n’est-ce pas?

Es gibt drei Möglichkeiten, wie man beim Einbauen solcher Wörter vorgehen kann:
1. Ihr geht davon aus, dass eure LeserInnen unbekannte Worte selbst nachschlagen.
2. Ihr verseht die fremdem Worte mit einem Sternchen und erklärt sie am Ende des Textes.
3. Bei einem Online-Text oder einer E-Mail könnt ihr die Bedeutung des Wortes einfach verlinken.

5. Die Phrasenumkehr

Floskeln sind praktisch beim Schreiben, weil einfach, aber nervig beim Lesen, weil häufig. Was tun?

Ich verwende eine Taktik, die ich die Phrasenumkehr nenne: Man nehme eine Phrase und verändere ein oder mehrere Worte so, dass das Gegenteil ausgesagt wird. Die eigentliche Phrase muss noch erkennbar sein, damit ein Aha-Effekt eintritt: „Moment mal, hier stimmt doch was nicht!“

Zum Beispiel:

  • hergestellt in liebevoller Handarbeit -> hergestellt in liebloser Akkordarbeit
  • keine Kosten und Mühen sparen -> sämtliche Kosten und Mühen sparen
  • in vollen Zügen genießen -> in vollen Zügen erlitten

„Aber, aber … was wenn ich dann nicht verstanden werde?“ Tja, diese Gefahr besteht immer – ob man nun Fremdwörter und Poesie einbaut oder nicht.

Schreibt Texte, die ihr selbst gerne lest, die eure Handschrift tragen und euch unterhalten, und ihr garantiert, dass zumindest eine Person nicht gelangweilt sein wird.


Foto von Annie Spratt auf Unsplash

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