Meine Worte des Jahres 2019

meine worte des Jahres 2019

Respektrente. Na ja, liebe Gesellschaft für deutsche Sprache. Ihr findet, dass dieses Wort „das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben [dieses] Jahres sprachlich in besonderer Weise bestimmt [hat]“. Ich jetzt nicht so.

Aber ich kann ja meine eigene Liste erstellen. Was läge als Sprachbloggerin im Dezember auch näher?

Platz 1: Klimakrise

Wir haben elf Jahre, um den Planeten zu retten. Aber das Klima taucht in der Lise der zehn offiziellen deutschen Worten des Jahres lediglich in Gestalt von „Fridays for Future“ auf Platz drei auf.

In Großbritannien hingegen hat das Oxford Dictionary „climate emergency“ zum Wort des Jahres gekürt. Die Konkurrenz vom Collins Wörterbuch hat sich für „climate strike“ entschieden.

2019 war das Jahr, in dem ich konsequent von der Klimakrise, statt vom Klimawandel, gesprochen habe. Im Mai hat die britische Tageszeitung The Guardian beschlossen, ihre Wortwahl bei der Berichterstattung über das Klima und die Umwelt so anzupassen, dass sie die Dringlichkeit und Gefahr der Situation widerspiegelt. Daran sollte man sich auch in Deutschland ein Beispiel nehmen.

Wir befinden uns in einer Krise, die die Existenz der Menschheit bedroht Das unschuldige Wort Klimawandel, das suggeriert, dass es sich um eine natürliche, nicht von Menschen verursachten Entwicklung handelt, wird dieser Katastrophe nicht gerecht.

Platz 2: Olecranon

Noch vor einem Monat wusste ich nicht, was ein Olecranon ist. Und dann habe ich es schmerzlichst herausgefunden: Es ist der Ellenbogenknochen, und man sollte besser nicht auf ihn fallen, wenn man vom Fahrrad stürzt.

Platz 3: glottaler Plosiv

Um es genau zu nehmen, der stimmlose glottale Plosiv.

Was soll das sein? Vielleicht habt ihr schon mal gehört, wie Leute auch mündlich Substantive gendern (also die weibliche Form und die männliche Form gleichberechtigt behandeln), indem sie die männliche Form verwenden, eine kurze Pause machen und dann „-innen“ anhängen. Zum Beispiel „Bürger*innen“.

Diese Pause wird stimmloser glottaler Plosiv genannt und ist weder in der deutschen noch in anderen Sprachen so selten.

Im Französischen wird sie mit dem Buchstaben „ï“ schriftlich dargestellt, zum Beispiel im Vornamen Anaïs. Unsere westliche Nachbarn nennen diesen Buchstaben Trema.  

Und weil „stimmloser glottaler Plosiv“ nicht gerade der einprägsamste Begriff ist, habe ich mir auch gleich ein griffigeres Synonym ausgedacht: trematurgische Pause.   

Platz 4: deluxe

Gefühlt das halbe Jahr habe ich damit verbracht, eine bestimmte Person davon zu überzeugen, den bösen Anglizismus „fancy“ (bedeutet so viel wie nobel, vornehmdurch ein französisches Pendant zu ersetzen. Meine Wahl fiel auf „deluxe“.

Auf Erfolg warte ich noch.

Platz 5: Zugunft

Mit eben dieser Person bin ich zudem neuneinhalb Stunden mit dem Zug nach Kroatien in den Urlaub gefahren. (Warum mit dem Zug? Siehe Platz 1.)

Und wenn man so viele Stunden Zeit hat, dann kommt man auf die dümmsten Ideen. In meinem Fall natürlich eine dummes Wortspiel. Weil die Zukunft auf der Schiene liegt, sollten wir zukünftig von „Zugunft“ sprechen, dachte ich mir. 

Leider hat sich auch dieses Wort noch nicht durchgesetzt. Ich rechne damit, dass sich das 2020 ändert!


Welche Worte haben euer Jahr geprägt?

Foto von Paweł Czerwiński auf Unsplash

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