„Rude!“: Wie man im Englischen nicht unhöflich klingt

Deutsche sind so unhöflich!

Ich finde das eigentlich nicht, aber ich verstehe, wenn englische MuttersprachlerInnen diesen Eindruck von uns haben. Denn vergleicht man, wie allgemeinhin in beiden Sprachen kommuniziert wird, dann erscheint Goethe und Schillers Handwerkszeug doch eher rüpelhaft.

An den Menschen liegt das nicht. Wenn ich jedes Mal ein Freundschaftsarmband bekäme, wenn mir auf der Arbeit jemand dafür dankt, dass ich nichts anderes tue, als das, wofür ich bezahlt werde, könnte ich als Wolfgangia Petri auftreten. Und in Berlin, Mannheim und Niederkaltenkirchen halten Leute für andere Türen offen und entschuldigen sich beim allerkleinsten Rempler wie in New York, Sydney oder Kettering.

Why so rude?

Woran liegt es dann, dass Deutsche von Englischsprechern als unhöflich wahrgenommen werden? Sicherlich auch nicht daran, dass Letzere von Natur auf zuvorkommender sind. Immerhin hat uns das Land mit der größten englischsprachigen Bevölkerung weltweit Donald Trump beschert. Das finde ich persönlich nicht sehr nett!

Aber in der Ausdrucksweise ist man in den USA und anderen englischsprachigen Gefilden durchaus höflicher. Oder zumindest weniger direkt. So kommt es zur Auffassung, dass die Deutschen mit ihrem „straight to the point“-Redestil nicht sehr auf gute Manieren bedacht sind.

Was sollte man nun also tun, um englischsprachige Gesprächspartner nicht mit seiner „German rudeness“ zu verkraulen? Es gibt da ein paar Tricks.

Trick 1: Auf vornehm machen

Wer hat nicht schon mal aus Quatsch so gesprochen, als sei man Mitglied eines Königshofs im frühen 19. Jahrhundert. Dabei wird aus „Hey, kannst du mir mal die Butter geben?“ „Verzeihen Sie, werte Dame, wenn es Ihnen nichts ausmachen würde, wüsste ich es zu schätzen, wenn Sie mir das Streichfett reichen könnten.“

Das, nur auf Englisch und ihr schlagt Engländern und Amerikanern gegenüber den richtigen Ton an!

Ok, das ist eine klitzekleine Übertreibung. Aber wirklich nur ein bisschen. Wer sich im Englischen einfach gewählter und unverbindlicher ausdrückt, als man das für Gewöhnlich im Deutschen tut, ist schon mal auf der richtigen Spur.

Trick 2: Zauberworte verwenden

Es gibt ein paar Worte und Ausdrücke, die für Englischsprechende ganz selbstverständlich zum täglichen Sprachgebrauch gehören. Aber für Personen, für die Englisch eine Fremdsprache ist, sind diese oft nicht Teil des aktiven Wortschatzes.

Dazu gehören:

  • „to appreciate something“ und „to be grateful“: Ein/e Deutsche/r sagt: “Ich will, dass du den Mülleimer ausleerst.“ Klare Ansage. Im Englischen ist mehr Subtilität gefragt. Man würde es zu schätzen wissen und man wäre dankbar, wenn es getan würde: „I’d appreciate it/I would be grateful if you could empty the waste paper basket.“
  • „could“ und „would“: Damit wären wir auch schon bei zwei der zauberhaftesten Zauberwörter. „Can“ and „will“ klingen in englischen Ohren bei Aufforderungen oft rabiat. Die unverbindlicheren „könnte“ und „würde“ werden als höflicher aufgefasst.
  • „if you don’t mind“: Unseren englischen FreundInnen liegt daran, niemanden zu überrumpeln. Statt anzuweisen etwas zu tun, fragt man gerne nach, ob es der Person auch nichts ausmachen würde, Folge zu leisten: „Let’s meet at three o’clock, if you don’t mind.“

Selbstverständlich sollten auch die Universal-Zauberworte „bitte“ und „danke“ reichlich eingestreut werden.

Trick 3: Immer schön unverbindlich bleiben

Kategorische Aussagen lösen in auf englisch programmierten Gehirnen oft Unbehagen aus. Deshalb empfiehlt es sich Aussagen abzuschwächen.

  • Statt vorneweg auszuschließen, etwas zu wissen, antwortet man besser, dass man sich nicht sicher ist („I’m not sure“).
  • Anstelle mitzuteilen, dass jemand nicht da ist, informiert man, dass er/sie zur Zeit abwesend ist („He/she is not in right now/at the minute.“).
  • Mit einem „vielleicht“ wirken Vorschläge weniger holterdiepolter („Maybe we can take a different approach.“).

Weitere Worte, die Aussagen abschwächen sind zum Beispiel „just“ und „quite“.

Trick 4: Sprachliche Selbstgeißelung

Deutsche scheinen gewisse Sachverhalte aus einer objektiveren Warte betrachten zu können. Im angelsächsischen Sprachraum hingegen gehört es zum guten Ton, das eigene Bedauern über eine unliebsame Antwort zu betonen.

Etwa so:

  • „I’m awfully/terribly sorry but Jason is not in the office at the minute.“
  • „I’m afraid I can’t reach Jennifer right now.“
  • „I regret to inform you that Monica ate the last biscuit.“

Weitere Englisch-Tipps findet ihr in diesen Beiträgen:

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